Do

31

Okt

2013

#11

Alles hat ein Ende ... leider auch unser "Radreisli". Hier der letzte Bericht "Grosses Finale ... pünktlich zur Rush Hour in Hong Kong".

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Di

08

Okt

2013

#10

Und endlich gibt's wieder was auf die Augen: "Goldener Herbst ... mit kleineren Turbulenzen" ist voraussichtlich unser zweitletzter Bericht. Ja, Hong Kong und damit das Ende unseres Radabenteuers rückt unaufhaltsam näher. Wir geben weiterhin Vollgas!

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Di

17

Sep

2013

#9

Für einmal lassen wir Dich nicht all zu lange zappeln! Hier bereits der nächste Reisebericht von den glücklichen China-Stramplern: "Buntes Osttibet ... wird umgekrempelt." 

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Hong Kong, 31. Oktober 2013

Grosses Finale ... pünktlich zur Rush Hour in Hong Kong!

Yeeeehaw! Wohlbehalten angekommen.
Yeeeehaw! Wohlbehalten angekommen.

Genau 14'386 km, 109'623 hm, 901 h im Sattel, knapp 60 kg Glace, geschätzte 210 Liter Bier ... und gerade mal zwei Plattfüsse später haben wir unser Ziel erreicht!?! Doch so locker, wie sich das gerade liest, gestaltete sich unsere "Königsetappe" nach Hong Kong dann doch nicht. Aber eins nach dem anderen; exklusiv für Dich in unserem elften und damit letzten Reisebericht.

 

Gemütliches Radeln entlang des Duliu Flusses.
Gemütliches Radeln entlang des Duliu Flusses.
Kilometerweise Dorfidylle.
Kilometerweise Dorfidylle.

In Sandu, etwas mehr als 1‘000 km nordwestlich von Hong Kong, erreichen wir die S 321. Wir dachten immer, dass ab dort der schönste Teil unserer Reise hinter uns liegt und der Verkehr massiv zunehmen werde. Doch zum Glück irrten wir uns gewaltig! Was für eine positive Überraschung: Dank dem neuen Express Highway, knapp 10 km nördlich, gehört die alte Hauptstrasse beinahe uns allein. Wir radeln parallel zum Duliu Fluss durch wunderschöne Dörfer der Miao (chinesische Minderheit). Diese leben hier grösstenteils noch sehr traditionell – „böse Zungen“ würden es auch als etwas rückständig bezeichnen. Etwas irritiert sind wir schon, als uns einige Male „praktisch füdliblutte zweibeinige Filzlausträger“ über den Weg stürcheln. Wir hätten nicht gedacht, dass das zur Weltmacht heranwachsende China auch über Höhlenbewohner in ihren Reihen verfügt. Doch dies verdeutlicht einmal mehr, wie „vielgliedrig“ das Reich der Mitte und wie unterschiedlich der Reichtum verteilt ist. Während wir bei wunderschönem Herbstwetter gemütlich dahinradeln, fachsimpeln wir über die Herkulesaufgabe, dieses Land wirtschaftlich erfolgreich auf Kurs zu halten. China, das viertgrösste Land der Welt, ist flächenmässig praktisch gleich gross wie Europa (Europa 10.5, China 9.6 Mio. km²), doch weist es bedeutend mehr Einwohner auf (Europa rund 740 Mio., China knapp 1.3 Mia., Weltbevölkerung 7.1 Mia.).

 

Wunderschönes Miao Dorf.
Wunderschönes Miao Dorf.
Abends beim Zocken.
Abends beim Zocken.

Mit jedem Radtag wird es heisser. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei bis zu 85 %, die Temperaturen klettern auf 30 Grad – ‘n Südchinesischer Herbst, der bei uns zu Hause glatt als Hochsommer durchgehen würde. Wir sind daher ehrlich gesagt nicht unglücklich, dass wir nun mehrheitlich in Hotels nächtigen. Bei der schwülen Hitze gibt‘s nichts Tolleres als eine kalte Dusche, bevor’s wieder „auf die Gasse“ zur Stadtbesichtigung geht. Dabei fällt uns immer wieder auf, wie gesellig die Chinesen sind: Stets lässt sich ein zentraler Treffpunkt finden, wo sich abends jeweils unzählige Grüppchen zum gemütlichen Beisammensein einfinden. Neben diversen Kartenspielen wird hier vor allem Mahjong, DAS chinesische Gesellschaftsspiel Nr. 1, gezockt. Auch das „Volksgesundheits-Turnen“ findet im Freien statt und erfreut sich ebenso grosser Beliebtheit. Jeden Abend (und oft auch morgens) treffen sich unzählige Chinesen auf den grossen Plätzen und tanzen synchron zu ohrenbetäubenden hämmernden Beats. Genau so heilig, wie die „Zockerei“ und das „Gruppentanzen“ ist dem Chinesen der Mittagsschlaf. Dieser wird nach Möglichkeit jeden Tag zur gleichen Uhrzeit zelebriert … und zwar immer dort, wo man sich dann halt eben gerade befindet: So dürfen wir uns an schnarchenden Bankangestellten, Metzgern, Bauarbeitern und vielen anderen Schlafmützen ergötzen. Der „Schlafplatzkreativität“ sind dabei keine Grenzen gesetzt – lass Dich inspirieren!

 

Schlafende Chinesen soll man nicht wecken:

Auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen: Das Essen ist Grund genug, China zu bereisen. Egal wo, wir futtern stets hervorragend. Der Satz „Es war köstlich!“ gehört denn auch zu unserem ersten chinesisch perfekt beherrschten Kompliment … Die Bestellung ist grundsätzlich sehr einfach: Oft steht ein Kühlschrank im Restaurant, aus dem man sich die Zutaten aussuchen kann. Falls dem nicht so ist, spazieren wir einfach in die Küche, um dort die möglichen „Rohmaterialien“ für unser Essen zu begutachten und auszuwählen. Sodann legt die Köchin oder der Koch los: Gemüse und Fleisch werden mittels gefährlichen „pyrotechnischen Feuer-Showeinlagen“ kurz im Wok angebrutzelt und mit frischem Reis serviert. In letzter Zeit häufen sich jedoch die Missgeschicke: Dem von uns ausgewählten Gemüse wird oft ungefragt Fleisch beigemixt. Vielfach ist uns der Geschmack des Fleisches fremd ... und so kommen wir – unfreiwillig – hinter das Geheimnis des Appenzeller Sickerwitzes, der da lautet: „... etz munni hää dä Hond go fuattärä!“. Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir dies in den vergangenen Tagen auch des Öfteren getan haben – zumindest ist Hundefleisch in diesem Teil Chinas keine Seltenheit.

 

Kulinarische Höhenflüge in China:

„Reisschleimsuppe“ (rice congee) gehört zu einem chinesischen Frühstück, wie bei uns der Kaffee. Zum meist faden schleimigen Vergnügen verschlingen die Chinesen gleich dutzendweise Frühstückseier. Dies inspiriert uns zu einer lustigen Aktion: Zum allgemeinen Entertainment bringen wir China das „Eiertütschen“ bei. Jeden Morgen kümmern wir uns mit missionarischem Eifer um den zentraleuropäischen Nachhilfeunterricht beim eleganten Eieröffnen. Die Begeisterung bei den „verspielten“ Chinesen ist gross; schnell sind Wettpotential und Spassgarantie erkannt! … wir sind uns denn auch sicher, dass dies in Kürze zum neuen Nationalsport avancieren wird. Und wer hat’s erfunden …?!? Genau, die Schweizer!

 

Knapp fahrbar: Feldweg nahe Lipu.
Knapp fahrbar: Feldweg nahe Lipu.

Unser Reiseführer schreibt "Guilin's Landschaft ist die schönste der Welt, Yangshuo's Landschaft ist die schönste in Guilin". Ja, die Karstlandschaft um Yangshuo ist einzigartig: Über 20‘000 Hügel gucken wie überproportionale Kamelhöcker aus dem Boden. Kein Wunder also, dass hier jedes Jahr Millionen von Touristen hinpilgern. Auch bei uns Westlern ist Yangshuo sehr beliebt. „Lǎowài“ ruft Dir hier keiner mehr nach und irritierte Blicke sucht man auch vergebens. Wir sind einfach nur zwei gewöhnliche Touristen unter vielen; doch das geniessen wir sehr! Auch die Gespräche mit anderen Reisenden sind sehr spannend. Nun aber zur Kehrseite der Medaille: Hier versuchen uns Händler regelmässig abzuzocken! Wir kennen mittlerweile jedoch die Preise sehr genau und sind deshalb nicht gewillt, den "horrenden Touristenaufschlag" zu berappen. Das nervige Runterhandeln von Mondpreisen, sowie die konstante Reizüberflutung halten uns denn auch nicht lange hier.

 

Karstlandschaft nahe Guilin.
Karstlandschaft nahe Guilin.
Chinesische "Strassenarbeiter".
Chinesische "Strassenarbeiter".

Was für eine gute Entscheidung, nicht lange in Yangshuo zu verweilen: Die Landschaft bleibt noch während vielen Kilometern wunderschön, doch statt einem Übermass an Touristen und aufdringlichen chinesischen Händlern erfreuen wir uns am normalen chinesischen Alltagsleben. Zum Beispiel auf dem Markt: Das „durch die Marktstände schlendern“ gehört nämlich zu einem weiteren Hobby von uns. Die verschiedenen Düfte einzuatmen und immer wieder neue Lebensmittel zu entdecken, finden wir unglaublich spannend. Am liebsten ist uns jeweils die „Fleischabteilung“. Beim Beobachten wie Schweine, Pferde oder Yaks in ihre Einzelteile zerlegt werden, beginnen unsere Augen zu funkeln. :-) Nein, zimperlich sind wir schon lange nicht mehr. … Und wenn’s uns doch zu viel wird, wechseln wir einfach in die Gemüse- und Früchteabteilung. Dort spritzt weniger Blut, dafür überbieten sich die Marktfrauen mit überdimensionalen Erzeugnissen - vermutlich eher genmanipuliert wie bio. :-) Das Sahnehäubchen unserer Streifzüge sind aber zweifelsohne die Dialoge im typisch rauen chinesischen Umgangston. Da wir kein Wort verstehen, machen wir uns ’n Spässchen draus, die heftigen und lautstarken Gespräche „sinngemäss“ zu übersetzen: „Hey, du hässliche Hexe! Ich hätte genmanipulierte Äpfel zu verkaufen … doch an dich dreckiges Luder verhöker‘ ich die sicher nicht!! Zieh bloss Leine, du widerliches Miststück!!!“ In Wirklichkeit hat sie jedoch vermutlich bloss gesagt: „Geschätzte Kundschaft, ich habe auserlesene saftige Bioäpfel im Angebot. Sie wurden heute Morgen frisch geerntet. Sehr gerne dürft ihr probieren, um euch von der erstklassigen Qualität meiner Früchte zu überzeugen.“ … ja, die ewige Rumschreierei ist nach wie vor gewöhnungsbedürftig. Wir sind jedes Mal froh, wenn statt „fliegenden Fäusten“ herzhafte Lacher folgen.

 

Alles was das Herz begehrt … und noch viel mehr:

Staubintensive Baustelle.
Staubintensive Baustelle.

Vielleicht ist das Gemüse auch von Natur her überdimensional riesig, so wie alles in China. Wusstest Du zum Beispiel, dass es in China während unserer ersten Reise (2010) einen Stau über 100 km gab? Wir konnten ihn sogar aus dem Flugzeug sehen … Wenn es in China einen Staumelder im Radio gäbe, hätte die Meldung damals etwa wie folgt gelautet: „100 km Stau zwischen X und Y. Der Zeitverlust beträgt zwei Wochen.“. Ja, wirklich ZWEI Wochen hat’s gedauert, bis sich der Stau wieder aufgelöst hat. :-) Damit so was nicht mehr vorkommt, bauen die Chinesen fleissig neue (momentan noch eher überdimensional wirkende) Strassen. Wir haben mal nach dieser Thematik „gegoogelt“ und in der FAZ folgenden interessanten Beitrag aus dem Jahre 2008 gefunden: „Dank schneller Planung ohne Einspruchsmöglichkeiten der Bevölkerung stellt das Land pro Jahr fast 5‘000 Kilometer neue Autobahnen fertig. [...] Das Netz umfasst mittlerweile 53‘000 km [...] Vor zehn Jahren gab es in China gerade einmal 7‘000 km“. Zum Vergleich: Das Schweizer Autobahnnetz beträgt gemäss „Onkel Google“ 1‘800 km. In China wird also jährlich knapp drei Mal das Schweizer Autobahnnetz erstellt! … eigentlich unvorstellbar!

 

Industrie und Smog im Perlflussdelta.
Industrie und Smog im Perlflussdelta.

"Eigentlich unvorstellbar" sind auch die Erlebnisse unserer letzten Radtage in China: Wir haben das Perlflussdelta erreicht, in dem über 50 Mio. Menschen leben (für Interessierte: siehe Erläuterungen dazu hier). Während dreier Tage radeln wir ununterbrochen durch urbanes Gebiet und riesige Industrie-Cluster, ohne das Gefühl zu haben, in einer anderen Stadt angekommen zu sein. Um uns möglichst nicht zu verfahren, starten wir unsere Radtage nun jeweils mit einem kurzen morgendlichen „briefing“. Es gilt die Tagesetappe vor dem geistigen Auge abzufahren, sich die wesentlichen Abzweigungen und die chinesischen Zeichen der wichtigsten Städte einzuprägen. Klar, wir haben das GPS dabei, doch dieses weist hier in China stets eine Abweichung von 200 bis 500 m auf. Eine derart grosse Abweichung ist für’s Navigieren in Städten „tödlich“ … Item. Irgendwie finden wir unseren Weg immer. Doch die Worte, das Erlebte zu beschreiben, fehlen uns. Alles ist nicht nur riesig, sondern geradezu überdimensional. Eigentlich wäre der Himmel ja wolkenlos. Doch der Smog färbt ihn gräulich gelb.

 

... auch unsere Kreativität blüht auf.
... auch unsere Kreativität blüht auf.

14‘345 km steht auf unserem Kilometerzähler. Nach 896 Stunden im Sattel stehen wir am 23. Oktober kurz nach Mittag am Fährenterminal Shunde in Foshan. Von Hong Kong trennt uns jetzt nur noch eine knapp zweistündige Bootsfahrt. Ein komisches Gefühl so nahe am Ziel, so kurz vor der „Vollendung“ eines Traumes zu stehen. Wir wissen nicht recht, ob wir nun jubeln oder trauern sollen, bedeutet das Eintreffen in Hong Kong doch auch, dass wir die unendliche Freiheit bald wieder gegen den Alltag eintauschen dürfen. In den letzten sieben Monaten hat uns niemand Grenzen gesetzt. Wir waren frei von Zwängen und Pflichten. Wir sind regelrecht aufgeblüht. Auf der anderen Seite freuen wir uns natürlich sehr, Euch wieder zu sehen! Auch freuen wir uns extrem auf den kommenden Winter, auf den Schnee und auf all das Positive, was die Schweiz ausmacht; also z. B. auf Herbamare, kühle Quöllfrischs und anständige Schoggi! :-) Nein, Spass beiseite: Wenn man so lange unterwegs ist, lernt man vieles in der Heimat wieder schätzen.

 

Buddha-Statue auf Lantau Island:

Hier mit Velo? ... viel Spass!
Hier mit Velo? ... viel Spass!

Die Ankunft in Hong Kong reisst uns jäh aus unserer Träumerei: Die Fähre spuckt uns mitten in den Grossstadtdschungel Hong Kong‘s. Die gigantischen Hochhäuser lassen uns vor Ehrfurcht erstarren. Alles neu, alles riesig, überall Menschen; wir bleiben wie angewurzelt stehen! Zu allem Übel herrscht auch noch Feierabendverkehr … und – oh, Schreck! – in Hong Kong fährt man (nach wie vor) links! Wir sind gerade etwas überrumpelt. Wir stehen einfach nur sprachlos am Strassenrand, starren auf die überfüllten Strassen und Trottoirs. Wir getrauen uns nicht zu bewegen. „Nein, Hong Kong hat definitiv nicht auf uns zwei Radfahrer gewartet!“, ruft Andreas gegen den Stadtlärm ankämpfend Richtung Anita’s Lauscher. Auf dem Trottoir wuselt derweil ein Menschenschwarm fröhlich kreuz und quer an uns vorbei, so dass das Vorwärtskommen auf der Strasse definitiv das kleinere Übel zu sein scheint. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Schockzustand begreifen wir, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als ein weiteres Mal all unseren Mut zusammenzunehmen und die Komfortzone zu verlassen … Augen zu und ab in den Grossstadtverkehr! … bloss in welche Richtung? Den Entscheid, heute Abend noch die Fähre zu nehmen, anstelle in Shunde zu übernachten, haben wir spontan gefällt: GPS-Kartenmaterial und Hotel-Recherche bleiben dabei auf der Strecke, was wir „super-spontanen Rad-Spartanen“ jedoch erst beim Ablegen des Tragflügelbootes realisieren. Wir schmunzeln über unsere Naivität. … drei ordentliche Portionen Nervenbündel später ist ’ne Bleibe für die erste Nacht in Hong Kong gefunden. Ausgepowert, desillusioniert und irgendwie deprimiert über das verkorkste Ende unseres Radabenteuers hauen wir uns auf’s Ohr.

 

Ohne Rush Hour macht radeln mehr Spass.
Ohne Rush Hour macht radeln mehr Spass.

Doch wie so oft: Manchmal muss einfach eine Nacht vergehen; am nächsten Morgen sieht die Welt doch schon wieder gaaaanz anders aus. Top motiviert und mit GPS-Kartenmaterial ausgerüstet, bieten wir heute den Hong Konger Auto-, Bus- und Taxifahrern die Stirn. … schlimmer wie gestern kann’s nicht werden, sind wir überzeugt. Aber oha, da täuschen wir uns gewaltig! Fahrradfahren im Stadtzentrum Hong Kong‘s ist ein äusserst trickreiches Unterfangen – zu viel Verkehr, zu enge und zu verschachtelte Strassen. Wir radeln etwa 30 Minuten „im Brei herum“ bis wir langsam ein Gefühl für die Strassenlogik entwickeln. Danach kommen wir aber ganz ordentlich voran und finden unser ab heute reserviertes Hotel in Pok Fu Lam (etwas ausserhalb) auf Anhieb.

 

Skyline von Hong Kong Central.
Skyline von Hong Kong Central.
"Radlerparadies" Hong Kong von oben.
"Radlerparadies" Hong Kong von oben.

Für die verbleibenden sieben Tage haben wir uns ein ganz spezielles Hotel ausgesucht. „The T Hotel“ ist ein „Trainingshotel“ für zukünftige Hotelfachassistenten. Die Bewertungen im Internet warfen mit Superlativen nur so um sich, so dass wir dem „Lehrlingshotel“ eine Chance geben wollten. Nun, wo wir vor Ort sind, stellt es sich als hervorragende Wahl heraus: Die Lage und die Aussicht auf das südchinesische Meer sind überwältigend. Eine Oase mitten im hektischen Hong Kong. Falls ihr mal nach Hong Kong reisen solltet, können wir euch das T-Hotel als „Geheimtipp“ sehr empfehlen! Die Zimmer bieten jeden Luxus, den man sich wünschen kann und die „Lehrlinge“ sind unterhaltsam (über-) engagiert. Eine gute Wahl stellt dieses Hotel für uns auch deshalb dar, weil wir hier wieder mal „Onkel Knigge’s Gebote“ auffrischen können. Unserem „Resozialisierungsprozess“ ist dies denn auch sehr dienlich. :-) Wir realisieren gerade wieder, dass man beim Essen nicht schmatzen und auf den Boden spucken sollte; und laute Rülpser werden nur in Festland-China als Zeichen, dass das Essen besonders köstlich war, gewertet. ;-) Auch sonst liegt Hong Kong gefühlt viel näher an Grossbritannien als an China: Während wir die vergangenen drei Monate von „ellbögelnden Dränglern“ umgeben waren, wird in Hong Kong das ordentliche englische Anstehen auf höchstem Niveau zelebriert. Die Supermärkte quellen förmlich über mit westlichen Produkten: Die Freudentränen beim Anblick der ersten Packung M & M’s und Kinderschoggi seit vier Monaten zurückzubehalten, fällt uns nicht leicht! … ach, ja: Besonders irritiert uns, dass hier alles so abartig hochsteril sauber ist – das sind wir uns so gar nicht mehr gewöhnt.

 

Hong Kong by night:

Immer wieder schön: Abendstimmung.
Immer wieder schön: Abendstimmung.

Wir sitzen gerade – tief in unsere Gedanken versunken – auf der Hotelterrasse und geniessen einen weiteren wunderschönen Sonnenuntergang. Passend zu unserer „radtechnischen Endzeitstimmung“ hören wir den Song „Month of Sundays“ von Passenger; DAS Lied dieser Reise. Der Refrain lautet: „… I've been living in this month of Sundays and I forgot what Monday morning feels like ...“. Tja, bereits am 4. November werden wir jenes Gefühl wieder erleben dürfen … Doch zuerst steht uns noch ein „weeeiiiter Heimweg“ bevor. Es fällt uns gerade etwas schwer zu begreifen, dass wir dank Flugzeug (via Doha) in nur gerade mal 21.5 Stunden wieder zu Hause, im schönen Sarganserland, sein werden. Haben wir für den Hinweg doch 236 Mal länger, nämlich 5‘088 Stunden (212 Tage à 24 h) gebraucht ...

 

„Virtuell verabschieden“ möchten wir uns mit einem ganz grossen Dankeschön. Der grösste Dank gilt unseren Eltern: Ihr habt uns gelehrt Träume zu realisieren, für Ziele zu kämpfen und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben; ihr unterstützt uns bedingungslos und seid immer für uns da. Danke für alles, was ihr für uns gemacht habt! Ein ebenso liebes Dankschön geht an Anita‘s Geschwister, für eure liebenswerten Charakterzüge, die gute Beziehung und die tollen Gespräche. Auf die gemütlichen Familienrunden freuen wir uns bereits jetzt. :-) Ein weiterer Dank geht an Pia und Betzgi: Dank euch haben wir das Radreisen entdeckt! Ein Dankeschön geht auch Richtung Davos: Conny, Du hast uns gezeigt, dass kein Weg zu steil oder zu schlecht ist, als dass man ihn nicht mit dem Fahrrad meistern könnte. … auch wenn dies bedeutet, dass man den Drahtesel halt mal ein paar Stunden tragen muss. :-) Danke auch an alle, die uns mit lieben Worten via Gästebuch oder per Mail bedacht haben oder einfach in Gedanken mit uns mitgereist sind – wir haben uns darüber wirklich sehr gefreut!

… übrigens: Was Anita’s geschweisste Gepäckträgerbefestigung, Andreas‘ Hinterradlager und Achillessehne anbelangt … brauchst Du uns nicht mehr weiter ins abendliche Gebet miteinzubeziehen. Es hat alles gehalten!

 

Anmerkung: Wieso eigentlich Hong Kong?

Du magst Dich fragen, wieso wir uns überhaupt auf den Weg nach Hong Kong gemacht haben. Die Antwort ist bestechend simpel: Wir wollten mal am ORIGINAL-Schauplatz ORIGINAL Hong Kong-Würstli futtern! Um uns das fleischige Vergnügen zu verdienen, entschieden wir uns für’s Fahrrad …

 

Nun in Hong Kong angekommen, finden wir diese doofen Würstchen jedoch nicht auf einer einzigen lausigen Speisekarte. Also muss wieder mal „Onkel Google“ her. Und siehe da: Es gibt sie doch – in der Migros … zur Fasnachtszeit?!?! … upps! Hmmm, irgendwie werden wir den Eindruck nicht los, dass unsere Reise diesbezüglich etwas gefloppt hat. Doch das ist dann auch "der einzige Reinfall" auf unserer Reise. Ansonsten durften wir mit unserem bewährten Erfolgsrezept "Offenheit, Neugierde und Respekt" sieben unvergessliche Monate erleben. Diese Reise gehört mitunter zum Besten, was wir in unserem Leben realisiert haben. Wir durften (im doppelten Sinne) erfahren, wie viele unglaublich freundliche, hilfsbereite und fröhliche Menschen auf diesem Planeten leben. Wir sind extrem dankbar und unendlich glücklich.

 

Jetzt freuen wir uns auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Doch im Hinterkopf lauern schon die nächsten Träume. Ob es uns wohl vergönnt ist, mal einen ORIGINAL TOAST HAWAII zu futtern? ;-) Du erfährst es vielleicht irgendwann mal auf unserer Homepage. Bis dahin: Alles Gute!

 

Anita und Andreas

 

Die 11. Etappe bis Hong Kong in Bildern: