Do

31

Okt

2013

#11

Alles hat ein Ende ... leider auch unser "Radreisli". Hier der letzte Bericht "Grosses Finale ... pünktlich zur Rush Hour in Hong Kong".

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Di

08

Okt

2013

#10

Und endlich gibt's wieder was auf die Augen: "Goldener Herbst ... mit kleineren Turbulenzen" ist voraussichtlich unser zweitletzter Bericht. Ja, Hong Kong und damit das Ende unseres Radabenteuers rückt unaufhaltsam näher. Wir geben weiterhin Vollgas!

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Di

17

Sep

2013

#9

Für einmal lassen wir Dich nicht all zu lange zappeln! Hier bereits der nächste Reisebericht von den glücklichen China-Stramplern: "Buntes Osttibet ... wird umgekrempelt." 

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Barfuss durch die laotische Folterkammer

Schwer beschäftigter Zollbeamte.
Schwer beschäftigter Zollbeamte.

Während unserer Reise durch China mussten wir uns des öftern der chinesischen Bürokratie beugen. So stellen wir uns auch auf eine hürdenreiche, formularlastige Ausreise ein. Und dann - als wären wir im falschen Film - winken uns die Grenzbeamten einfach durch. Unglaublich. Kein Formular, kein Ausreise-stempel, kein „kommt bald wieder". War‘s das jetzt mit China? Wehmut und aufkeimende Laos-Neugierde übermannen / -frauen uns. ;)

Typisches Dorf in Laos.
Typisches Dorf in Laos.

Nach einem Kilometer durchs Niemandsland kommen wir doch noch auf unsere „bürokratischen Kosten": Am laotischen Zoll - einem "gepimpten" Gartenhäuschen - gilt es, ein Visum zu beantragen. Nach einer knappen Stunde ist der Spuk vorbei und wir radeln Richtung Luang Namtha, unserem ersten Etappenziel in Laos.

 

Tropenholz-Export nach China und Thailand.
Tropenholz-Export nach China und Thailand.

Was Laos gegenüber China an Kindern voraus hat, fehlt es an Bäumen. Im Südwesten Chinas radelten wir durch dichten, fast unberührten Urwald, der bis an die Strasse reicht. Hier in Laos kämpfen wir uns - mangels Bäumen - an der prallen Sonne vorwärts. Es ist ein offenes Geheimnis, wer der Übeltäter und damit verantwortlich für den radikalen Kahlschlag ist: China. Seit der Jahrhundertflut am Yangzi im Jahre 1998 gilt in Yunnan, China, ein Abholzungsverbot. Da der chinesische Holzbedarf jedoch weiterhin enorm ist, bedienen sich die Chinesen nun einfach in Laos und Myanmar ... Auch Thailand tut es den Chinesen gleich und zieht dem ärmlichen Nachbarland Laos auf diese Weise "das letzte Hemd aus".

Laotisch kochen - speziell und spassig.
Laotisch kochen - speziell und spassig.

Um uns auf Laos einzustimmen, besuchen wir in Luang Namtha - einem betriebsamen Kaff, in dem es mehr Touristen als Einheimische gibt - einen Kochkurs. Die Vorfreude ist gross; die Ernüchterung folgt jedoch auf dem Fusse: Unser laotischer Kochlehrer taucht nicht nur eine Stunde zu spät auf, er ist zu allem Überfluss auch noch stark angesäuselt. :)

Bezahlt ist der Kochkurs ja schon, also machen wir das Beste aus der Situation und lotsen „unsere" lokale Schnapsnase auf den Morgenmarkt. Hier beginnt's dann sehr unterhaltsam zu werden - nicht nur für uns, sondern auch für die zahlreichen Marktfrauen. Unser Koch - offensichtlich bekannt wie ein bunter Hund - probiert sich quer durchs Angebot und feilscht „dem Teufel ein Ohr ab". Dies selbstverständlich nicht leise, sondern so, dass ganz Luang Namtha etwas davon hat. Erstaunlicherweise ist er doch noch in der Lage, unsere zahlreichen Fragen zu beantworten. So erfahren wir vieles über die lokalen Produkte und die laotische Küche.

Und so sieht das fertige Festmahl aus.
Und so sieht das fertige Festmahl aus.

Bereits beim Einkaufen auf dem Markt fragten wir uns, wer dies alles Essen soll. Nachdem wir bis „tief in die Nacht" (diese beginnt hier bereits um 18:00 Uhr) das Essen auf dem Feuer zubereitet haben, wissen wir die Antwort: Am reich gedeckten Tisch sitzen neben uns und unserem Koch auch seine Eltern, drei seiner Kollegen, sein Boss, der Guesthouse-Besitzer und die beiden Putzfrauen. Sie alle erfreuen sich an dem von den Touristen gesponsorten Essen. Uns soll’s recht sein - wir geniessen es, seit langem wieder einmal die Gastgeberrolle inne zu haben. Trotz den lao-lao-(Reisschnaps) bedingten Startschwierigkeiten ist es ein spannender und geselliger Nachmittag\Abend geworden.

Kurbeln geht auch ohne Schuhe ...
Kurbeln geht auch ohne Schuhe ...

Des öftern lösen sich Probleme bekanntlich von alleine. Diese wunderbare Erfahrung dürfen wir auch in Laos machen. Anita versucht seit längerem hartnäckig die vom Schlamm, Regen und Schweiss,... malträtierten Veloschuhe olfaktorisch wieder salonfähig hinzubekommen. Doch auch mit einem ganzen Pack Waschmittel gelingt es ihr nicht dem muffigen Problem Frau zu werden. Um in der Nacht nicht den üblen Gerüchen unserer Galoschen zu erliegen, stellen wir diese seit neustem vor die Zimmertür. Wir staunen nicht schlecht, als am Tag unserer Abreise nur noch Andreas‘ Schuhe dort stehen. Das hatten wir doch schon einmal?!? Kleiner Unterschied: Diesmal ist es nicht Anita‘s Velo (wie 2008 in Kroatien) sondern die dazugehörigen Klickpedalen-Schuhe. Glück im Unglück also und so nehmen wir‘s mit Humor: Immerhin sind wir somit 50 % des Gestanks los. :)

Frisch geteerte Strasse nach Houay Xay.
Frisch geteerte Strasse nach Houay Xay.

Mangels Treterchen - haben aus Gewichtsgründen je nur ein Paar dabei - geht's für Anita nun barfuss weiter nach Vieng Phouka. Hier wollten wir eigentlich eine 2-3-taegige Wanderung unternehmen. Aber jetzt, ohne schlaues Schuhwerk, sind wir uns da nicht mehr so sicher. Im Touristenbüro wird uns jedoch versichert, dass sich die Wanderung zu einem abgelegenen Akha-Dorf (Akha = eine von 49 laotischen Minderheiten) problemlos in Badelatschen bewältigen liesse. Also gut; die zweitägige Tour ist gebucht!

Feurige Chillis beim "Sonnenbaden".
Feurige Chillis beim "Sonnenbaden".

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr treffen wir am nächsten Morgen beim vereinbarten Ort unseren Trekkingguide an. Mit Flip Flops?!? Oh je, auf was für eine „Warmduscher-Wanderung" haben wir uns da nur eingelassen? Das Nam-Ha-Naturschutzgebiet mit seinem dichten Dschungel belehrt uns jedoch schnell eines besseren: Anstelle „warm duschen" gehen wir bereits auf den ersten Metern „kalt baden", denn es gilt mehrere Flüsse zu durchqueren. Auch die Topographie verlangt uns einiges ab: Supersteile Aufstiege und glitschige Abstiege wechseln sich ab. Wir staunen, wie unser Flip-Flop-bestückter Guide sich spielend leicht durch das anspruchsvolle Gelände kämpft.

Abenstimmung im Akha-Dorf.
Abenstimmung im Akha-Dorf.

Nach sechs Marschstunden erreichen wir das Akha-Dorf, welches idyllisch auf einem Hügel liegt. Wir fühlen uns wie im Zoo: Einerseits, weil wir einfach so in deren Dorfleben platzen, alle und alles begaffen. Anderseits, weil hier wirklich verdammt viele Viehcher „herum-viehchern". ;) Der eindrückliche Tag - zufälligerweise Andreas‘ Geburtstag - endet mit einem Sonnenuntergang par excellence (selbstverständlich von Anita so als Geburtstagsgeschenk bei Petrus bestellt)! Nur schon deswegen hat sich die Wanderung mehr als gelohnt!

"Schonende" Feuerrodung für Trockenreisanbau.
"Schonende" Feuerrodung für Trockenreisanbau.

Am zweiten Tag unseres Akha-Trails wandern wir durch die Trockenreisfelder talwärts. Es ist gerade Erntezeit; dementsprechend hektisch geht es zu und her: Es gilt die Reisgarben abzuschneiden, die Reiskörner von den Halmen zu dreschen, um anschliessend die Hülsen von den Körnern zu trennen. Selbstverständlich alles ohne technische Hilfsmittel!

Nix für verwöhnte westliche Teenies.
Nix für verwöhnte westliche Teenies.

Da das Geld für Lasttiere fehlt, müssen auch die jüngsten Familienmitglieder mit anpacken: Hier schleppen Fünfjährige 20-Kilosaecke, während sich Teenies und Erwachsene mit dem doppelten Gewicht in das rund einen Kilometer und 200 Höhenmeter weiter oben gelegene Dorf schleppen. Und dies wohlgemerkt barfuss und zigfach pro Tag! Etwas irritiert über diese vorsintflutliche Transportmethode trippeln wir, immer wieder mal den schwer beladenen Platz machend, den schmalen Feldweg hinunter. Bestimmt könnt ihr nachvollziehen, weshalb wir uns in diesem Moment wieder einmal so richtig deplatziert fühlen und am liebsten vor Scham über unseren „Minderheiten-Zoobesuch" im Boden versinken würden. Trotz unserer ambivalenten Gefühle war diese Trekkingtour jedoch eine gute Wahl: Es war interessant, aufschlussreich und ausserordentlich kurzweilig - zudem kommt ein Teil der mit diesen Trekkings erzielten Gewinnen wieder den Minderheiten bzw. dem Schutz der lokalen Fauna und Flora zugute.

Mystische Morgenstimmung nahe Luang Namtha.
Mystische Morgenstimmung nahe Luang Namtha.

Die Laoten stehen früh auf - sehr früh! Um 04:00 Uhr beginnen die Hähne (ja, Mehrzahl - einer pro Quartier reicht ihnen offensichtlich nicht!) zu krähen und um 06:00 Uhr herrscht schon reges Treiben auf den Strassen. Nach guter, alter kommunistischer Tradition werden so gegen 07:00 Uhr die neusten Neuigkeiten über die dorfeigenen Lautsprecher ins Universum hinaus geplärrt. Bei diesem Lärm ist wirklich nicht mehr an erholsamen Schlaf zu denken. ... und so sitzen wir bereits kurz nach 06:00 Uhr auf unseren Drahteseln und radeln Richtung Houay Xay.

Zu Befehl! ... daran halten wir uns meistens.
Zu Befehl! ... daran halten wir uns meistens.

 ... weit kommen wir jedoch nicht: Anita, geplagt von Bauchkrämpfen, legt mehrere Toiletten-Stopps ein, während Andreas mehrfach versucht, seiner Übelkeit „Ausdruck zu verleihen". Um 09:00 Uhr - nach mickrigen 10 Kilometer - haben wir beide uns dann endlich fertig „ausge...erleichtert". Dementsprechend gerädert sitzen wir am Strassenrand. Umkehren? Kommt nicht in Frage! Und so klettern wir, zwar motiviert jedoch ziemlich ausgelutscht, wieder auf unsere Stahlrösser. Nach insgesamt 125.32 km und 1'815 Höhenmeter bei bis zu 35 Grad (im Fachjargon heisst das: „beissen") hat unser Höllenritt durch die laotische Folterkammer endlich ein Ende: Wir erreichen Houay Xay. Die nächsten 48 Stunden verbringen wir in unseren Betten - jeder in seinem, versteht sich. Neben Übelkeit und Durchfall kommen Fieber (Andreas) sowie Hals- und Ohrenschmerzen (Anita) hinzu. ... was sind wir doch für Weicheier!

Wenig Wasser führender Mekong.
Wenig Wasser führender Mekong.

Während unserer eintägigen Mekong-Bootsfahrt von Houay Xay nach Pakbeng melden sich unsere Lebensgeister endgültig wieder zurück. Wir schreiben es den Adrenalin-Kicks zu, die uns der Kapitän mit seinen haarsträubenden Manövern (nur Profis und Lebensmüde trauen sich zu, ein Boot am oberen Mekong dicht an den zahlreichen Felsen und Untiefen vorbei zu steuern) beschert.

Unterwegs auf dem Mekong.
Unterwegs auf dem Mekong.

Pakbeng ist der Inbegriff dessen, was uns an Laos etwas stört: Zu viele ungehobelte Touristen in Kombination mit Einheimischen, die sich darauf spezialisiert haben, erstere wie Hochleistungskühe zu melken! „Nur schnell weg hier!", ist denn auch unser einstimmiges Motto. Bloss wohin? Wir werden den Eindruck nicht los, dass wo immer in Laos eine halbwegs akzeptable Infrastruktur etabliert ist, automatisch auch der Massentourismus und damit die leidige Abzocke anzutreffen sind. ... wir müssen uns eingestehen, dass wir von China her etwas verwöhnt sind.

Feierabend - Kinder auf dem Nachhauseweg.
Feierabend - Kinder auf dem Nachhauseweg.

Wobei: Die laotischen Kinder toppen definitiv alles! Gewöhnt an radfahrende Touristen (die gibt’s hier in Laos reichlich) haben sie ein sogenanntes „Farang-Warnsystem" entwickelt. ;) Das geht so: Das erste Kind, welches einen Ausländer erspäht, ruft laut „Faraaang!?" (Franzosen, da ehem. franz. Kolonie bzw. Ausländer, die man nicht genauer zuordnen kann) und dann rennen alle Kids Richtung Strasse, um uns zuzuwinken und uns „High Fives" zu geben. Da darf niemand zu kurz bzw. zu spät kommen, sonst artet das gelegentlich auch mal in Tränen aus. Aus Jux versuchen wir uns des öfteren an Schülergruppen vorbei zu stehlen, die in dieselbe Richtung unterwegs sind. Wir scheitern jedoch meistens kläglich: Immer findet sich jemand, der das Warnsystem aktiviert und damit die ganze Meute hysterisch vor Entzücken aufschreien lässt - beinahe so, als hätte man einer pubertierenden Schar Mädchen eine heisse Boygroup vor die Nase gestellt! :) Anfänglich fanden wir das ganz lustig; doch mittlerweile würden wir ganz gerne mal ein paar Kinder gegen schattenspendende Bäume eintauschen. ;)

Einfaches Dorf in Laos.
Einfaches Dorf in Laos.

Bis jetzt ist das Feuer für Laos in unseren Herzen noch nicht so richtig entfacht. Doch wir geben dem südostasiatischen Land in den kommenden - leider bereits unseren letzten!?! - zwei Wochen eine weitere Chance ... Wir drücken Laos auf alle Fälle fleissig die Daumen! :)