Do

31

Okt

2013

#11

Alles hat ein Ende ... leider auch unser "Radreisli". Hier der letzte Bericht "Grosses Finale ... pünktlich zur Rush Hour in Hong Kong".

mehr lesen

Di

08

Okt

2013

#10

Und endlich gibt's wieder was auf die Augen: "Goldener Herbst ... mit kleineren Turbulenzen" ist voraussichtlich unser zweitletzter Bericht. Ja, Hong Kong und damit das Ende unseres Radabenteuers rückt unaufhaltsam näher. Wir geben weiterhin Vollgas!

mehr lesen

Di

17

Sep

2013

#9

Für einmal lassen wir Dich nicht all zu lange zappeln! Hier bereits der nächste Reisebericht von den glücklichen China-Stramplern: "Buntes Osttibet ... wird umgekrempelt." 

mehr lesen

Rank und Schlank, wie noch nie ...

... nicht auszumalen, wenn's hier geregnet hätte!
... nicht auszumalen, wenn's hier geregnet hätte!

Die holprigen Strassen, der stetige Gegenwind und die extremen Temperaturschwankungen (unter Null bis deutlich über 30 Grad) zwingen uns in die Knie: Aus einem Ruhetag in Garze machen wir zwei. Garze ist eine "Stadt" im Umbruch: Bei Ankunft treffen wir ein ungeheures Durcheinander von Strassenbaumaschinen, unzähligen Arbeitern mit Schubkarren, hupenden Lastwagen und stoisch ruhigen Bauern auf ihren Einspännern an. Mit unseren vollbepackten Drahteseln kämpfen wir uns etwas verloren durchs staubige Gewühl. Bei Abfahrt - drei Tage später - trauen wir unseren Augen kaum: Das Trottoir ist gepflästert, die Strasse fertig betoniert und der Verkehr rollt flüssig, als wäre es nie anders gewesen. Ja, die fleissigen Chinesen machen ihrem Namen alle Ehre.

Imposante Klosteranlage oberhalb von Garze.
Imposante Klosteranlage oberhalb von Garze.

Kurz nach Garze verlassen wir die fruchtbare Hochebene durch ein spektakuläres schluchtartiges Tal: Fluss, Strasse, links und rechts bis zu 1000 Höhenmeter Felsen und loses Geröll. Die Taminaschlucht bei Bad Ragaz ist quasi die "Swiss-Miniature"-Version davon. Die vielen Gebetsfahnen, die den Weg zieren, erhalten beim einschüchternden Blick nach oben ihre volle Berechtigung. Nach intensiven Regenschauern würden wir dieses Tal für kein Geld der Welt passieren. Obwohl wir in Flussrichtung fahren, heisst das Motto während über 160 km "auf und nieder, immer wieder". Wir überlegen uns, auf ein "knallrotes Gummiboot" umzusteigen. Doch die wilden Stromschnellen lassen unsere glorreiche Idee schnell kentern. 

Interessante Brückenkonstruktion aus Holz.
Interessante Brückenkonstruktion aus Holz.

In diesem Tal manifestiert sich der chinesische Plan "Entwickle den Westen": Überall werden Brücken gebaut und Klosteranlagen renoviert - renoviert auf chinesisch; abgerissen und viel pompöser neu gebaut. Der Übergang zu protzig-repräsentativem Kitsch ist fliessend. Ob dies den erhofften Tourismus und damit neue Einnahmequellen hierher bringt?

"Parklücke" mal andersrum interpretiert.
"Parklücke" mal andersrum interpretiert.

Nach dem Überqueren eines 4627 M.ü.M hohen Passes erreichen wir Litang. Litang ist ein witziger Flecken, eingebettet in einer von vielen Nomaden bevölkerten Hochlandsteppe. Witzig deshalb, da hier die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: Überall wird gewerkelt, gehandelt, geflickt und gekocht. Da werden Kleider gewaschen, Motorräder repariert, Hühner geköpft, Karten gespielt - und alles wunderbar durcheinander. In diesem einzigartigen farbenprächtig lebhaften Tohuwabohu lernen wir Eugen kennen. Eugen ist ein Schweizer Ingenieur, der seit 1980 in China lebt und arbeitet. Im vergangenen Monat haben sich bei uns viele Fragen zu Land, Leute und Kultur angestaut. Diese während eines nahrhaften Nachtessens mit ihm zu diskutieren ist uns ein Hochgenuss.

Zutaten für ein Radabenteuer.
Zutaten für ein Radabenteuer.

Nach einer schlaflosen Nacht auf dem WC (Anita) und einer schlaflosen Nacht aus Mitleid (Andreas) starten wir gerädert in Richtung Zhongdian (ca. 440 km und knapp 8000 Höhenmeter entfernt). Gerne hätten wir in Litang einen weiteren Ruhetag eingelegt, doch unser auf 40 Tage befristetes Visum und die anstehenden nationalen Feiertage (Golden Week) drängen uns zum zügigen Weiterradeln. Auf der von vielen - zum Teil sehr abrupten - WC-Stopps geprägten Teiletappe, kommt uns DIE Geschäftsidee: Wir bieten zukünftig Gewichtsreduktionstherapien an!?! 1. Therapie-Methode ist Radfahren auf durchschnittlich 4000 M.ü.M. Die Pfunde purzeln und man kann trotzdem essen wie ein Mähdrescher. Therapie-Methode Nr. 2 ist analog Nr. 1 jedoch in Kombination mit einem Magen-Darm-Virus. Dabei könnte man essen wie ZWEI Mähdrescher - tut es aber nicht. Die Pfunde purzeln im Minutentakt und der Ausdruck "nur noch Haut und Knochen" bekäme schon bald 'ne ganz neue Dimension. :-/

Staubpiste bei sensationellen Verhältnissen.
Staubpiste bei sensationellen Verhältnissen.

Nach einer erholsamen Nacht auf 4688 M. ü. M. wartet ein 2000 Höhenmeter-Downhill auf uns. Wir fragen uns, ob unsere geschwächten Körper dies aushalten oder ob wir sicherheitshalber noch 'n paar Dekompressions-Stopps einlegen sollen. :) So richtig geniessen können wir den Downhill jedoch nicht, denn wir wissen genau, alles was wir heute vernichten, müssen wir morgen in mühseliger, stundenlanger Schwerstarbeit wieder hochkraxeln. Doch der "Gwunder", was uns um die nächste Kurve oder nach dem nächsten Pass wohl erwartet, treibt uns stetig vorwärts. Dieser "Gwunder" wird uns hoffentlich auch noch auf vielen weiteren 1000 Kilometern begleiten.

Morgenstimmung beim Kloster über Zhongdian.
Morgenstimmung beim Kloster über Zhongdian.

Quizfrage: Was macht die chinesische Regierung mit einer Region, die wenig bis nichts zu bieten hat und dazu noch ziemlich arm ist? Sie gibt ihr einen klingenden Namen und baut sie - Monopoly-ähnlich - zu einer Touristenhochburg aus. So geschehen mit Zhongdian, das in Anlehnung an James Hilton's "Lost Horizon" nun den Namen "Shangri-La" trägt. Die Heerscharen von chinesischen Touristen schrecken uns zwar ab, doch hat das chinesische Bestreben auch seine positive Seite: Wir erhalten die normalerweise fünf Tage dauernde Visumverlängerung innerhalb rekordverdächtigen zehn Minuten! Dem touristischen Shangri-La-Service sei Dank gibt es sogar noch eine Woche mehr als erhofft/normal. Einfach Genial! Und ja, wir kennen nun den wahren Grund, warum man Shangri-La besuchen muss …