Do

31

Okt

2013

#11

Alles hat ein Ende ... leider auch unser "Radreisli". Hier der letzte Bericht "Grosses Finale ... pünktlich zur Rush Hour in Hong Kong".

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Di

08

Okt

2013

#10

Und endlich gibt's wieder was auf die Augen: "Goldener Herbst ... mit kleineren Turbulenzen" ist voraussichtlich unser zweitletzter Bericht. Ja, Hong Kong und damit das Ende unseres Radabenteuers rückt unaufhaltsam näher. Wir geben weiterhin Vollgas!

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Di

17

Sep

2013

#9

Für einmal lassen wir Dich nicht all zu lange zappeln! Hier bereits der nächste Reisebericht von den glücklichen China-Stramplern: "Buntes Osttibet ... wird umgekrempelt." 

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Frisco - idealer Start für die "Sierra Cascades"

Gerädert von der langen Reise via New York erreichen wir knapp vor Mitternacht San Francisco. Zu diesem Zeitpunkt sind wir uns einig: "Nie wieder so lange fliegen!" Amerikas Westküste kann unmöglich so schön sein, dass sich diese schier endlose Anreise lohnt!?

Imposanter Hingucker, dieses geniale Bauwerk.
Imposanter Hingucker, dieses geniale Bauwerk.

Nach einer kurzen Nacht in einem "low budget" Flughafenhotel freuen wir uns riesig, endlich wieder unseren Bewegungsdrang zu stillen: Mit ein paar Handgriffen und Schraubendrehs machen wir unsere Stahlrösser startklar und starten Richtung Down Town San Francisco. Dabei erleben wir die erste grosse Überraschung: Wunderschöne Radwege entlang der Küste und rücksichtsvolle Autofahrer. Am frühen Nachmittag taucht am Horizont bereits unser erstes Reise-Highlight auf: Die weltberühmte Golden Gate Bridge! Wir können's kaum erwarten San Francisco's Wahrzeichen unter die Räder zu nehmen. Wir packen schnell 'ne Blume zwischen Haar und Velohelm und trällern Scott McKenzie's Hit "If you're going to Saaaaaan Fraaaaancisco ...". Wir sind voll in unserem Element, geniessen den Blick auf die Stadt und realisieren: Jetzt beginnt unser Radurlaub! Nach unserem kleinen Abstecher über die Rostschutzfarbe verschlingende Golden Gate Bridge, erreichen wir unser Hotel dank GPS problemlos und entspannt. :)

... und immer schön die Handbremse anziehen!
... und immer schön die Handbremse anziehen!

Bei wunderschönem Wetter (normalerweise sei es vormittags meistens etwas neblig?!) geniessen wir unseren dreitägigen Aufenthalt in San Francisco. Dabei schlagen wir uns die Bäuche mit chinesischen Dim Sum voll: In der Stockton Street, eine der weltweit grössten chinesischen Gemeinden ausserhalb Chinas, fühlen wir uns kurzfristig ins Jahr 2010 zurück versetzt - wir schwelgen in Erinnerungen an unsere Traumreise von Xining nach Luang Prabang. Neben der Energieaufnahme für die bevorstehenden Bergetappen betreiben wir "Bike-Seeing" - Sightseeing per Bike, was sich als ziemlich effizient herausstellt. Dank der hügeligen Topographie spuhlen wir in den drei Tagen locker bereits unsere ersten 1'000 Höhenmeter ab. Wir sind gerüstet für "Sierra Casscades"!

Die Natur spielt bereits all ihre Trümpfe aus.
Die Natur spielt bereits all ihre Trümpfe aus.

Per Bus geht's nach Truckee, wo wir am vierten Tag in Amerika zu unserer Radreise Richtung San Diego starten. Begrüsst werden wir von einem "hornenden" mehrere hundert Meter langen Güterzug, dessen drei Diesellocks sich voll ins Zeug legen, um die schwere Last über die Passhöhe zu bringen.

Und schon wieder erleben wir eine grosse Überraschung: Anstelle entlang eines gefährlichen Highways, wie von vielen Amerika-Besuchern und auch Einheimischen gewarnt, radeln wir entlang eines wunderschönen Radweges nach South Lake Tahoe. Damit wankt schon das erste Vorurteil, amerikas Westküste sei keine Velo-Destination ...

Keine Schaufel dabei; das wird ja lustig.
Keine Schaufel dabei; das wird ja lustig.

Via Luther Pass und dem super schönen Monitor Pass erreichen wir Bridgeport. Nach diesen ersten 300 km sind wir uns wieder einig: Die Reise hat sich gelohnt, und wie! Amerika ist sehr wohl ein Autoland aber definitiv auch ein Veloland: Dank der sehr detaillierten Karten der Adventure Cycling Association fällt die Navigation „tubelisicher“ aus, die Landschaft ist phantastisch und abwechslungsreich. Zudem stellt der Verkehr kaum ein Problem dar. Ob es so weitergeht? Wir sind gespannt und die altbekannte Neugierde, was uns wohl um die nächste Kurve oder hinter dem nächsten Pass erwartet hat sich bereits wieder eingestellt.

Tioga Pass - dank Schokokuchen 'n Klacks.
Tioga Pass - dank Schokokuchen 'n Klacks.

Es ist knapp vor 13 Uhr als wir vom HW 365 Richtung Tioga Pass abzweigen und vor ein nettes Selbstbedienungs-Restaurant rollen. Für die kommenden 1000 Höhenmeter stärken wir uns mit einem grossen Caesar Salad und Sandwiches, die's in sich haben. Mit unseren Tourenräder fallen wir - einmal mehr - auch hier auf: Wir werden bald von einheimischen Rennvelofahrern angesprochen. Als wir ihnen von unseren Plänen für den heutigen Nachmittag erzählen werden sie etwas bleich. Einer der beiden verschwindet daraufhin rasch im Resti, um kurz darauf mit einem monströs grossen und mit viel zu viel rotem Zuckersirup übergossenen Schokoladekuchenstück wieder bei uns aufzutauchen. Schmunzelnd stellt er uns den Teller hin und meint, dass wir die zusätzliche Energie in den kommenden Stunden bestimmt gut gebrauchen könnten. :) ... "zusätzliche Energie", lustiger Kerl - wir hatten einen derartigen Zucker-Flash, dass wir in Trance da hoch geflogen sein müssen!

Kleine Rast eingangs Yosemite.
Kleine Rast eingangs Yosemite.

Die Landschaft hier oben, eingangs Yosemite (vom Mono Lake her kommend), ist atemberaubend – streckenweise haben wir das Gefühl durch ein kitschiges Bilderbuch zu radeln. An einem tiefblauen See, in dem sich die Berggipfel spiegeln, setzen wir uns hin und geniessen die Abendsonne, die Ruhe, unseren Radurlaub.

Wieder im Sattel währt die Freude nicht besonders lange: Andreas hat sich 'n Plattfuss am Hinterreifen eingefangen. Eigentlich kein Problem; doof nur, dass es bereits beginnt zu dämmern, der nächste Campingplatz noch 20 km entfernt ist und im Yosemite Nationalpark wild campen strengstens verboten ist. Also stellen wir 'nen neuen Schlauchwechsel-Rekord auf, um schnellstmöglich weiterkurbeln zu können.

Nationalpark mit grossem Erholungsfaktor.
Nationalpark mit grossem Erholungsfaktor.

Weit kommen wir jedoch nicht: Andreas’ neuer Schlauch hat ebenfalls massiv Luft verloren. Das darf jetzt aber nicht sein! ... haben wir doch Pneu und alten Schlauch feinsäuberlich abgesucht und eine Scherbe entfernt. Nach etwas Rumtüfteln und noch mehr Rumrätseln vermuten wir das Problem beim Ventil - das nennt sich dann wohl vorübergehende Pechsträhne. Da es bereits dunkelt und wir keine schlaue Velobeleuchtung dabei haben, heisst es ab nun, alle paar Kilometer Schlauch aufpumpen und die letzten Energiereserven mobilisieren, um den Campingplatz im letzten Dämmerlicht zu erreichen. ... geschafft (im wahrsten Sinne des Wortes)! Die hilfsbereiten Leute auf dem Campingplatz lassen die Hektik unserer heutigen Etappe schnell vergessen.

El Capitan und Half Dome lassen grüssen.
El Capitan und Half Dome lassen grüssen.

Es war eine kühle Nacht, was am Morgen durch Eiskristalle anstelle des sonst üblichen Kondenswassers im Innenzelt bestätigt wurde. Zum Glück haben wir die warmen Daunen-schlafsäcke dabei. Nachdem Andreas’ Hinterradrätsel gelöst (nebst dem kleinen Scherbensplitter befand sich auch ein feines Drahtstück im Pneumantel) und das üppige Continental Breakfast ;) verspeist ist, nehmen wir die Abfahrt ins Yosemite Valley in Angriff. Bereits von Weitem können wir den El Capitan und den Half Dome sehen! Wir freuen uns sehr auf den Moment, wo wir genau unter dem sagenumwobenen El Capitan stehen und die Kletterer beim Bezwingen der knapp 1'000 Meter hohen Wand beobachten können. Im Normalfall hängen die ausdauernden Bergsteiger rund zwei bis drei Tage in der Wand; der Rekord liegt jedoch bei unglaublichen 2 Stunden und 37 Minuten - da bleibt definitiv keine Zeit, sich stets ordentlich zu sichern ...

Komfortable Campingplatz-Infrastruktur.
Komfortable Campingplatz-Infrastruktur.

Bei der Suche nach einem Campingplatz werden wir rasch wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt: Das Yosemite Valley ist dermassen überlaufen, dass man in der Hauptsaison ohne vorgängige Reservation (bis zu einem halben Jahr im Voraus!?) kaum einen Campingplatz bekommt. Auch jetzt in der Nebensaison wäre eine Reservation erforderlich gewesen, was sich für radreisende Touristen aber kaum bewerkstelligen lässt. Nach knapp zwei Stunden ödem Anstehen, ergattern wir dann Dank "Velobonus" trotzdem noch ein lauschiges Plätzchen. Dass es uns nicht möglich ist, am Nachmittag um 17 Uhr noch 40 km zum nächsten Campingplatz oder Hotel zu radeln, leuchtet den Rangern zum Glück ein ...